Musikverein Mengen e.V.  - Ein kurzer Überblick über die Geschichte...

Über die Anfangsjahre unseres Vereins ist wenig bekannt. Ein Foto der Gründungsmitglieder sowie deren Namen sind überliefert, ebenso die erste gedruckte Satzung des Musikvereins vom November 1895. Aus dieser Satzung wird deutlich, mit welchem Idealismus, Engagement und auch erheblichen finanziellen Opfern die Liebe zur Musik verbunden war. So verpflichteten sich die Musiker, für das Kapital von 505 Mark zur Anschaffung der Instrumente geradezustehen. Auch darüberhinaus fielen nicht unbeträchtliche Kosten an. Die Aufnahmegebühr betrug eine Mark, der Mitgliedsbeitrag ebenfalls eine Mark, für den Austritt aus dem Verein mussten zwei Mark entrichtet werden. Kam ein Musiker zu spät zu einer Probe oder einem Auftritt oder fehlte er unentschuldigt, waren 50 Pfennig Strafe fällig. Auch für die Uniformröcke, die im Dezember 1932 angeschafft wurden, mussten die Mitglieder einen jährlichen Beitrag in Höhe von 2 Reichsmark in die Vereinskasse bezahlen. Dies alles wurde in Zusatzverträgen zur Satzung schriftlich fixiert, auf die Einhaltung dieser Regeln akribisch geachtet.

 

1902 wurde auch vertraglich geregelt: "Jedes Mitglied muss dem Vorstand sowie dem Dirigenten absoluten Gehorsam leisten... Weigerung des Blasens bei den Proben sowie bei öffentlichen Auftritten, ebenso Zank und Streit... wird mit dem Ausstossen aus dem Verein bestraft!”. Harte Sitten, die sich in der heutigen Zeit bei den Mitgliedern wohl kaum mehr durchsetzen ließen.
Der Musikverein trat zu dieser Zeit hauptsächlich bei Anlässen im Dorf auf: Veranstaltungen anderer Vereine, Hochzeiten, Beerdigungen und an kirchlichen Feiertagen. Sehr beliebt waren auch die Veranstaltungen im Adlersaal, bei denen der Musikverein zum Tanz aufspielte. Aber auch zu damaligen Zeiten nahm man an Veranstaltungen umliegender Musikvereine oder auch an Wertungsspielen teil.

Mitte der Dreissiger Jahre wurden die Zeiten härter. Zunächst hat man im Spätjahr 1937 in Mengen Probleme mit der Maul- und Klauenseuche. Der Musikverein muss für mehrere Monate die Proben und Auftritte ausfallen lassen. Nach wenigen Auftritten legt der Verein nach dem 1. Mai 1939 wieder eine Pause ein, da mit dem Beginn der "Feldgeschäfte" die Proben sowieso nicht mehr regelmässig besucht werden konnten. Diese Pause wurde durch den zwischenzeitlichen Ausbruch des Krieges unfreiwillig verlängert, da etliche Musiker in den Heeresdienst einberufen wurden. Über die Weihnachtsfeiertage 1939 durften die Musiker zum Teil nach Hause, und man beschloss, eine Generalversammlung abzuhalten, um "bei einem Fass Bier nochmals kameradschaftlich zusammen zu sein".
Im Protokoll wird ersichtlich, von welch düsteren Vorahnungen die Musiker dabei geplagt wurden. Alle anwesenden Mitglieder werden namentlich aufgeführt und verzeichnet, wer welches Instrument spielt - also quasi eine Art "letzte Inventur". Dazu wird vermerkt: "Da zu erwarten ist, dass demnächst die jüngeren Kameraden einberufen werden, stellen wir mit heutigem Tage unsere Tätigkeit ein und hoffen, dass wir uns nach dem Kriege alle gesund wiedersehen". Die nächste Eintragung ins Protokollbuch erfolgt über 7 Jahre später und trägt die Überschrift: "Die Neugründung des Vereins".

Nach Beendigung des 2. Weltkrieges wurden alle Vereine von der französischen Besatzungsmacht aufgelöst und durften sich nicht ohne ausdrückliche Genehmigung versammeln - schliesslich waren die Vereine im Dritten Reich lange genug zu politischen Zwecken missbraucht worden. Aus dem Wunsch nach Fortführung der Vereinstätigkeit resultierte Ende 1946 ein mehrere Monate dauernder Schriftwechsel mit der Militärregierung von Freiburg-Stadt, bei dem um Genehmigung des Vereins gebeten wurde.
Endlich, am 14. August 1947, kommt die langersehnte Erlaubnis an. Schon am 30. August 1947 findet die erneute Gründungsversammlung des Musikvereins statt. Doch es war noch ein langer und steiniger Weg, bis der ordentliche und regelmässige Betrieb des Vereins wieder aufgenommen werden konnte. Schliesslich waren etliche Musiker und auch der Dirigent Friedrich Stäublin noch lange in Kriegsgefangenschaft, und so manchen ehemaligen Musiker musste man zu Grabe tragen.

Die Mengener Bürger hatten ebenfalls genug von dem Leid und Entbehrungen, die der Krieg mit sich gebracht hatte. Man hatte zwar nicht viel, gab aber bereitwillig und war dankbar für jede Feier, die ein bisschen Abwechslung und Freude brachte.
Jeder Auftritt des Musikvereins wurde "mit stürmischen Ovationen" belohnt, die Tanzveranstaltungen im Adlersaal waren ein grosser Erfolg. So kann man nachlesen: "Auch diesmal war der Saal fast überfüllt und mancher - ob Gast oder Mitglied - suchte am Ende schwankenden Schrittes seine Heimstätte zu erreichen".
Bei Auftritten im Dorf zeigten die Bürger ihre Unterstützung der Vereinsarbeit meist darin, dass sie den Musikern mit Weinspenden für ihre Konzerte dankten. Spielte man ausserhalb des Dorfes, zahlte der Rechner des Vereins den Musikern nicht selten ein, zwei Mark aus, damit sie nach dem Auftritt wenigstens noch ein Glas Wein trinken konnten, was sie sich aus eigenen Mitteln oftmals nicht hätten leisten können.

Die Teilnahmen bei Veranstaltungen umliegender Musikvereine stiegen im Laufe der Jahre wieder sprunghaft an und meist strampelten die Musiker mit ihren Fahrrädern zu diesen Auftritten. Die Instrumente wurden dabei einfach an den Fahrradlenker gehängt. Grössere Instrumente, wie die Tuba, wurden mit dem Tragriemen auf den Rücken geschultert, bevor man den Drahtesel bestieg. So zog ein fröhlicher Fahrradtross zu den Veranstaltungen hin und wieder zurück.
Nur einmal gab es bei diesen Fahrten leichte Schwierigkeiten, als man im Juni 1952 von einem Gartenfest des MV Hausen zurückradelte. Einige Musiker hatten dem guten Wein schon etwas mehr zugesprochen als üblich, und so kam es, wie es kommen musste: Ein Musiker radelte in der finsteren Nacht in einen Strassengraben, was nicht ohne Beulen in seinem Flügelhorn abging. Als man sich von dem Schrecken erholt hatte, traf man sich noch zu einem kleinen Abschluss im "Adler", bei dem der besagte Flügelhornist zur Freude aller eins ums andere Liedchen spielte und damit bewies, dass sein Instrument - trotz Dellen - nicht in seiner Funktionsfähigkeit gelitten hatte.

In der Generalversammlung 1954 wurde das "Uniformproblem" wieder aufgegriffen: Aus finanziellen Gründen konnte man die Musiker nicht mit kompletten Uniformen ausstatten. Es wurde jedoch beschlossen, die alten Mützen wieder herzurichten bzw. die fehlenden zu ergänzen, damit man in der Öffentlichkeit ein halbwegs einheitliches Bild abgab.
Eine gute Gelegenheit, sich mit den neuen Mützen in der Öffentlichkeit zu präsentieren, war das 70jährige Jubiläum des Männergesangsvereins Mengen, das vom 10. bis 12. Juli 1954 stattfand und vom Musikverein an allen drei Tagen musikalisch umrahmt wurde.
Das bedeutendste Ereignis der 60er Jahre war für das ganze Dorf die Einweihung der Schule sowie der Turn- und Festhalle am 4. Juli 1964.
Mengen war einer der wenigen Orte in der Umgebung, der zu dieser Zeit schon eine so schöne und grosse Halle sein Eigen nennen konnte. Die Einweihung wurde mit einem grossen Festakt gefeiert. Der Musikverein unterhielt dabei die zahlreichen Gäste. Ein weiterer Höhepunkt war die Sportplatzeinweihung des SC Mengen am 21. und 22. Juni 1969. Nach der musikalischen Gestaltung des Festgottesdienstes fand am Sonntagnachmittag das schon im Vorfeld heiss debattierte Fussballspiel des Musikvereins gegen den Männergesangverein statt. Das Interesse der Mengener Bevölkerung war enorm. Und so steht dann auch im Protokollbuch: "Sicherlich wäre der Sportverein froh, hätte er bei seinen Punktspielen soviel Zuschauer wie heute auf dem Sportplatz!” Das Spiel endete 11:1 für den Musikverein. Als Schiedsrichter fungierte Pfarrer Hennig, und seinem Pfiff gehorchten alle.

Im Jahr 1970 erfüllte sich ein lange gehegter Wunsch: Der Musikverein bekam erstmals eine einheitliche Uniform! Um den beträchtlichen finanziellen Aufwand für den Verein in Grenzen zu halten, traf man mit dem Freiburger Kaufhaus “Hertie” die Abmachung, einen Teil des Kaufpreises musikalisch abzuarbeiten.
An einem "Messesamstag" im Oktober 1970 unterhielt der Musikverein die Besucher des Kaufhauses "Hertie" mehrere Stunden, und erhielt dafür einen Sonderpreis für die dunkelblauen Blazer und grauen Hosen. Nach vielen Jahren war jedoch eine neue Ausstattung unerlässlich, und im Jahr 1990 konnte sich dann der Verein die derzeit aktuellen, weinroten Uniformen anschaffen.

Der Auftritt am 1.Mai-Feiertag hat schon immer zu den festen Veranstaltungen des Musikvereins gehört. Die Art der Auftritte hat sich im Laufe der Jahre allerdings etwas gewandelt: Von abendlichen Tanzveranstaltung im Adlersaal über Platzkonzerte vor der Kirche kam man im Jahr 1972 zu einem völlig neuen Konzept.
Um möglichst vielen Mengenern eine Freude zu machen, zog man zu Fuss durch das Dorf und veranstaltete an ein paar Stellen kleine Platzkonzerte. Durch die Neubaugebiete wuchs das Dorf dann aber enorm und man stand vor dem Problem, dass das "Standkonzert" beweglicher gemacht werden musste. So fuhr man ab dem 1. Mai 1975 mit einem Traktor und zwei birkengeschmückten Anhängern musizierend durchs Dorf und erreichte damit so viele Mengener, wie nie zuvor. 
Bis heute hat sich daran nichts mehr geändert!

Das Jahr 1975 brachte für den Musikverein Mengen eine gravierende Neuerung: Die erste Frau, die als aktive Musikerin in den Verein eintrat. In der Satzung aus dem Jahr 1895 liest man in § 2: "Jeder unbescholtene Mann kann Mitglied werden".
Immerhin 80 Jahre hat es gedauert, bis mit Astrid Smolarek das erste weibliche Wesen in diese Männerdomäne einbrechen konnte. Dabei hatte die erste Satzung des Musikvereins sicherlich keinen frauenfeindlichen Hintergrund. Vermutlich konnte sich zur damaligen Zeit nur keiner vorstellen, dass auch Frauen Interesse und auch Zeit für das Musizieren erübrigen könnten.
In der Vereinsgeschichte hatte garantiert auch niemand etwas gegen weibliche Vereinsmitglieder einzuwenden, ganz im Gegenteil: Es wird noch heute erzählt, dass die Probenbeteiligung auf einmal sprunghaft anstieg, als Astrid mit ihrer Klarinette zur Musikprobe erschien.
Heute sind Frauen im Verein schon lange nichts Ungewöhnliches mehr: Bei Proben und Auftritten sitzen Frauen und Männer auf der Bühne, und auch eine Vorstandschaft ohne Frauen ist heute undenkbar!

Bei der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde Mengen, die vom 3. bis 5. September 1976 stattfand, war das ganze Dorf auf den Beinen. Auch der Musikverein leistete seinen Beitrag zu den Feierlichkeiten. Die Mengener Vereine hatten bereits im Vorfeld und auch an den Festtagen gut zusammengearbeitet, um das ganze Programm zu bewältigen.
Im Juni 1980 veranstaltete dann der Musikverein den ersten "Musikhock" bei der Mengener Festhalle. Er fand alljährlich am letzten Juniwochenende statt und war damit die Basis für den heutigen “ Alemannenhock”, der seit 1992 unter Regie der Mengener Vereinsgemeinschaft in der Rathausstrasse durchgeführt wird.

Im Jahr 1984 lernte man bei einem von Pfarrer Hanselmann organisierten Gemeindefest die Musikkapelle aus dem elsässischen Neu-Breisach kennen. Aus diesem Kontakt ergaben sich in den folgenden Jahren weitere gemeinsame Veranstaltungen und Konzerte, eine deutsch-französische Freundschaft ganz besonderer Art hatte begonnen. Im Jahr 1991 knüpfte man bei der Verschwisterungsfeier der Gemeinden Schallstadt und Rosà ein ganz besonderes Band mit der italienischen Musikkapelle “ Banda Montegrappa”.
Durch die zahlreichen gegenseitigen Besuche hat sich diese Freundschaft mittlerweile vertieft, und alle Musiker freuen sich stets auf ein fröhliches Wiedersehen!

Seit dem Jahr 1998 wird zudem der Kontakt zur Musikkapelle aus dem schwäbischen Holzmaden gepflegt, der durch gegenseitige Besuche und Auftritte gefestigt wurde.
Ende 1987 wurde eines der drängendsten Probleme des Vereins gelöst: Der Musikverein bekam endlich einen Raum, eine “ Heimat” hier im Ort! 
Die Gemeinde stellte den Raum unter dem Hallenanbau zur Verfügung, der lange Zeit der bereits aufgelösten Jugendinitiative Mengen (JIM) als Treffpunkt gedient hatte.
Im Laufe der Jahre waren die Räumlichkeiten jedoch sehr verschmutzt und in äußerst verwahrlostem Zustand. Der Raum wurde vom Musikverein komplett entrümpelt, gesäubert und renoviert, eine neue Holzdecke eingezogen, frisch möbliert und mit selbst genähten Vorhängen ausgestattet.
All dies geschah in Eigeninitiative und in wochenlanger Kleinarbeit.
Im Mai 1988 war es dann geschafft: Das erste gemütliche Beisammensein nach der Musikprobe im eigenen Vereinsheim konnte stattfinden. Endlich konnte die Jugendausbildung unter angemessenen Bedingungen stattfinden, auch bei Register- und Einzelproben sowie die Generalversammlungen konnten hier durchgeführt werden. Zudem hatte man endlich Platz, um Instrumente und Noten zu lagern.
Der Musikverein ist sehr dankbar für die Möglichkeiten, die dieses Vereinsheim bietet!

Im Jahr 1999 gab es dann Gespräche mit der Gemeinde, die das einsturz- und abrissgefährdete Mengener “Waschhäusle” betrafen.
Die Gemeinde wollte das Waschhäusle eigentlich erhalten und suchte neue Nutzungsideen. Nachdem sich wochenlang niemand gemeldet hatte, ergriff der Musikverein die Initiative und erklärte sich bereit, das historische Waschhäuschen in der Schulstrasse auf eigene Kosten und mit eigener Arbeitsleistung zu sanieren und zu renovieren und bekam dafür von der Gemeinde das Nutzungsrecht als Lagerraum. Nach rund zweijähriger Arbeit präsentiert sich das Waschhäusle seit dem Jahr 2000 wieder als echtes Schmuckstück.

Der absolute Höhepunkt in der Vereinsgeschichte war sicherlich das 100jährige Jubiläum des Musikvereins, das vom 14. - 17. Juli 1995 gefeiert wurde.
Am Festbankett wurde dem Verein für seine Verdienste um das Instrumentale Musizieren die “Pro Musica-Plakette” durch den Bundespräsidenten verliehen.
In den folgenden drei Tagen wurden im eigens aufgebauten Festzelt auf der Schulwiese viele musikalische Leckerbissen geboten. Die Bevölkerung freute sich zudem über den Jubiläumsumzug, an dem über 30 Gruppen und Musikkapellen durch die Strassen des Dorfes marschierten.

Vieles hat der Musikverein Mengen in seiner wechselvollen Geschichte erlebt.
Ab und zu hat es schwere Zeiten und Krisen gegeben, manchmal sah es sogar nach Auflösung aus. Doch immer haben die positiven Seiten und Erfahrungen überwogen, denn immer fanden sich zahlreiche Vereinsmitglieder, die sich überdurchschnittlich engagierten, nach Lösungen suchten und zu vielen Opfern bereit waren.

Hoffen wir, dass es auch in Zukunft immer Musikbegeisterte geben wird, die den Verein weitertragen und ihm noch mehrere Erfolge und Jubiläen bescheren werden...

 

 

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